Im gelben Haus

 In dem kleinen gelben Haus mit dem spitzen Dach war alles leer. Nachts knarzte es hier und da und jeder unbekannte Schatten erregte meine Aufmerksamkeit. Doch es war ein gutes Versteck, vorübergehend. Wunden lecken, die niemand sah, niemand verstand, wie ich dachte.

Ich trug so schwer an unsichtbarer Last, dass es mir immer unmöglicher erschien, auch noch die geforderte Verkleidung zu tragen.
Sie verbarg eigentlich überhaupt nichts mehr.
In Wahrheit war ich nackt.
Bis auf die Knochen.
Jeder konnte durch meine Augen direkt hindurchsehen, bis hinab auf mein Herz.
Ich dachte, sie sehen meine bleiche Gestalt, verstehen, was sie sehen.
Doch ich erntete bloß spöttisches Grinsen, genervtes Grunzen.
Gar nichts verstanden sie, sie sahen nichts.

Ich sah mich immer mehr dazu veranlasst ihnen direkt ins Gesicht zu brüllen obwohl ich nur 2 Millimeter vor ihnen stand, ihren Atem auf meiner Nasenspitze spürte.
Taub, dachte ich, sie sind also auch noch taub.
Allesamt.
Ich legte mich auf den Boden, direkt in das Licht des blassen Mondes, wobei das Holz unter mir ein kleines Ächzen von sich gab. Der Einzige, dachte ich, der meine Last spürt ist dieser verdammt polierte Holzfußboden. Und der Einzige, der es trägt.
Hier liegt gar kein Mensch, hier liegt ein Skelett. Die Knochen blank geleckt von gedankenlosen Raubtieren.
Ich steckte meine knochige Hand durch meine Rippen und streichelte mein Herz. Wie winzig es ist, geschrumpft unter all den Wunden.
Stures kleines Ding.
Braves kleines Ding.
Dummes kleines Ding.

Für dich hätte ich die Hölle betreten, obwohl ich Hitze wirklich hasse.
Seltsam, dass du das nie zu schätzen wusstest.
Man sollte wirklich aufpassen mit seinen Versprechen. Aufpassen mit seinen Worten. Sie können einen Strick draus knüpfen, ihn um deinen Hals legen und dich wie ein Zirkuspferd durch die Manege zerren. Tosender Applaus blinder, tauber Menschen. Wie unnütz wir doch sind.
Wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich dich lieber niemals kennengelernt.

Wünschst du dir das auch? Denkst du das auch über mich? Oder gehört etwas von mir noch immer zu dir? 
Denn, einen Teil deines Herzens habe ich mitgenommen.
Aber was nützt es mir, es schlägt längst nicht mehr.-S.

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