Etwas mehr als 10 Minuten


Etwas mehr als 10 Minuten


Ich habe zur Zeit komische Gedanken.
Zum Beispiel, wieso in Gebieten, in denen eine Umweltkatastrophe passiert, wie z.B. aktuell bei Überschwemmungen, Menschen oft in Sporthallen untergebracht werden weil ihr Wohnort evakuiert werden musste und-hier nun der Gedanke: warum eigentlich nie Sporthallen unter Wasser stehen. Ein Mysterium.
Vielleicht ist die logische Antwort, dass sich diese Sporthallen auf anderem, trockenem Terrain befinden und jene in betroffenen Gebieten durchaus unter Wasser stehen.
Ich wünsche allen Betroffen viel Kraft, hilflos mit anzusehen, wie seine Existenz davonschwimmt, vor seinem schlammigen, unbewohnbaren Zuhause zu stehen, so gut wie nichts mehr zu haben, außer die Klamotten am Körper und -wie andernorts bereits geschehen- dann noch Plünderer kommen, die sich am in der Sonne trocknenden Mobiliar vergreifen (Plünderer! sind wir in einen Western oder in eine Räuber Hotzenplotz-Geschichte geraten?) muss geradezu lähmend schlimm sein.
Als hätte man nicht schon genug, um das man sich kümmern muss.

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Davon abgesehen ist mein Gefühlszustand seltsam dumpf.
Wer sich ein wenig in der YouTube-Welt auskennt, dürfte den Tsunami an Enthüllungen mitbekommen haben, die für sich allein schon dramatisch sind- als Betroffene von 'toxischen' Menschen und 'narzisstischen' Persönlichkeiten, hatte das noch mal einen ganz anderen Effekt auf mich.
Ich würde nicht so weit gehen es 'retraumatisierend' zu nennen, da ich mir persönlich diesen Begriff für wesentlich schlimmere Umstände abgespeichert hatte- aber genau das ist passiert.
Mir wurde einmal mehr deutlich, wie verdammt viele Menschen meinen Weg kreuzten, die mir bewusst und unbewusst unglaublichen Schaden zufügten.
Und wie lange ich teilweise in solchen Beziehungen/'Freundschaften' festhing, ich stillhielt, unfähig, mich davon zu befreien.
Ein Grund dafür war sicherlich, dass ich bereits in einem solchen Umfeld aufgewachsen bin, gesund geht anders.
Und wenn man bereits vorgeschädigt ist, hält man manchmal zu lange absolut untragbares Verhalten von anderen aus, sucht den Fehler nur bei sich selbst, ist hilflos und mutlos.
Noch etwas ist mir bei dieser Thematik aufgefallen- erstens, die Sensationsgier mancher Menschen bei gleichzeitiger Unfähigkeit, die Thematik überhaupt zu verstehen, weil alles, was über zwei Minuten Gehirnaktivität hinausgeht, wie z.B. einen längeren Text zu lesen oder ein längeres Video zu schauen, direkt abgelehnt wird und als überfordernd empfunden wird (Zitate aus der Kommentarspalte, denn Kommentare werden natürlich trotzdem abgegeben).
Wie will man sich vernünftig damit auseinandersetzen wenn solche grundlegenden Anforderungen verkümmert sind? Wollen solche Leute vielleicht auch nicht, vielleicht reicht es ihnen, sich daran zu ergötzen und sich moralisch überlegen zu fühlen, ohne die Fähigkeit, fünf Minuten am Stück aufmerksam zu sein.
Und eine weitere Sache, die mir wieder aufgefallen ist: klar kann man keine Ferndiagnosen fällen, meist passiert das weil Menschen eine Einordnung, eine Erklärung brauchen. Etwas benennen müssen um es zu verstehen.
Zumindest Betroffene brauchen das. Aber anstatt die Sache selbst zu kommentieren, wird von den ganz Schlauen bloß darauf verwiesen, keine Ferndiagnosen zu stellen.
Also, nicht eine Sekunde auf die unmöglichen, verletzenden Verhaltensweisen eingehen, sondern nur dass Umgehen damit zu bewerten und zu kritisieren.
Wenn auch inhaltlich richtig, hat mich das schon bei mir persönlich gestört.
Es wurde nie auf das eigentliche Problem eingegangen, sondern auf mich, meinen verzweifelten Versuch, damit umzugehen, es zu benennen um es verständlich zu machen und dabei gegen eine Mauer aus Arroganz und Besserwisserei zu prallen, die mir Vorhaltungen macht aber nie mir wirklich Gehör zu schenken oder das eigentliche Problem zu verurteilen.
Ganz schwierig.
Aber wenn etwas in dieser Form (durch YouTube, mehr oder weniger bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Menschen, 'Idole') ins Bewusstsein einer breiten Masse gerückt wird, habe ich Hoffnung, dass mehr Menschen vielleicht dafür sensibilisiert werden und in Zukunft anders, besser auf Betroffene reagiert wird.

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Nachdem ich wieder Schwierigkeiten beim Ein-und Durchschlafen habe weil zuviele Erinnerungen an die Oberfläche schwappten, plus abgefahrene, schier endlose Träume, die ich mir zu gerne mal Filmmäßig ansehen würde und wieder eine leicht -ich muss eindeutig betonen nicht suizidale- aber eine gewisse Gleichgültigkeit meinem Leben gegenüber eingetreten ist, bin ich nun fast froh über diese gewisse Dumpfheit, die ich schon einmal nur zu gern gegen Angst und Panikattacken und endloses Grübeln eingetauscht habe.
Das beides nicht wirklich gut ist, ist mir selbst klar aber ich kann momentan nichts daran ändern.
Entweder, Therapieplätze sind so unwahrscheinlich zu erreichen wie einen Sechser im Lotto (oder den heilgen Gral), die Therapeuten selbst lösen eine Panikattacke aus (oder legen so manipulative-Vibes an den Tag) oder du sollst erstmal in eine Klinik, wieso können wir es nicht erstmal mit Gesprächen versuchen? Dafür bin ich doch hier? Ich bin einfach nicht der Klinik-Typ, kein Umstand wird das je ändern.-S.


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