Glücklichsein
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Wie konnte ich nur je auf die wahnwitzige Annahme verfallen, irgend jemanden glücklich machen zu können und das mit meiner bloßen Präsenz?
Ich schaffe es ja nichtmal mich selbst glücklich zu machen und das, obwohl ich niemandem näher stehe und besser kenne als mich selbst.Obwohl, manchmal glaube ich, ich kenne mich gar nicht. Nicht nur in Dingen, die ich mag oder nicht oder dass ich genau weiß wie ich worauf reagiere (manchmal bin ich geradezu verblüfft von meiner eigenen Reaktion) und manchmal glaube ich, mir ist so ziemlich alles egal und ich brauche jemanden, der mir sagt und zeigt, was ich brauche oder mag.
Aber sobald das jemand tatsächlich tut, verknotet sich etwas ganz tief in mir und irgendwas schreit von innen in meine Ohren: NEIN!!
Trotzdem, so glaube ich, brauche ich jemanden, der mich an die Hand nimmt und was Schönes zeigt.
Ich kenne übrigens auch Menschen, die mir eigentlich nah sind, aber doch nicht so wirklich.
Manchmal, weil es mich nicht interessiert und manchmal weil da gar nicht viel zu sein scheint.
Ich sollte mir aber grundsätzlich mehr Mühe geben aber es ist oft auch der Mühe nicht wert. Ich glaube, ich bin manchmal sehr harsch mit meinem Urteil über andere, andererseits gab ich viel zu viele Chancen an Leute, die mir, rückblickend betrachtet, wirklich
übel mitgespielt haben. Ich verstehe mein damaliges Ich wirklich nicht, warum ich mir so wenig Wert war. Also, ja ich weiß schon warum.
Es beschämt mich, gleichzeitig bin ich traurig und möchte gern durch die Zeit greifen und mich sanft schütteln und in den Arm nehmen und sagen, hey, du darfst froh sein und lachen und Nein sagen und Fehler machen. Du bist genauso wertvoll wie alle anderen, deine Stimme zählt auch! Lass dir nichts anderes einreden.
Meistens aber fühle ich mich wie die größte Schwindlerin aller Zeiten, ein Hallodri, ein einziges Augenzwinkern.
Ich bin nicht ehrlich, soviel steht fest.
Ich spiele gern aber mag den Einsatz nicht zahlen. Ich bin durchaus charmant aber hab ich dich eingetütet, weiß ich gar nicht, was ich mit dir anfangen soll. Die Sondierung nach Notausgängen läuft schon beim ersten Hallo und meine Überheblichkeit bleibt mir sowieso jedes Mal im Halse stecken, denn ich kann mit mir selbst nicht umgehen oder mir gar trauen. Ich habe nämlich rein gar nichts im Griff und das Spiel verstehe ich auch nicht.
Am Ende bin immer ich traurig aber nicht lange, denn, oh man, dir entgeht hier wirklich was. Aber wollte ich es nicht so? Am Ende weiß das keiner mehr so genau.
Jedenfalls, wie könnte ich einen Menschen glücklich machen, trage ich doch Dunkelheit und Schwere und Leere in mir. Ich mag Leute, die nicht alles auf die Reihe kriegen und nicht jeden Tag um fünf aufstehen und Matcha trinken und Listen schreiben (und abhaken, welch ein erfolgreicher Tag! Wäsche gewaschen-check (aber noch nicht aufgehängt denn wir wollen mal die Kiche im Dorf lassen, oder?) Zwei Seiten im Ausmalbuch ausgemalt- check! Rausgegangen um Sonne zu tanken und dann irgendwie immer im Schatten gegangen und nix von der Sonne gesehen- check! Mich an meiner neuen Vase erfreut, die für jeden Handelsüblichen Blumenbund viel zu lang ist aber dafür cool aussieht und Orange! ist?- check!)
Vielleicht mag ich auch nicht zuviel Glücklichsein, wer kann schon jeden gottverdammten Tag Sonnenauf- oder/und Untergänge ertragen?
Das ganze Jahr durch grüne Bäume und sprießende Blüten und 23 1/2 Grad, worüber soll man sich denn dabei beklagen?
Jeden Tag, jede Minute schmalzige Liebesfilme oder Musik? Welcher Mensch könnte das aushalten ohne durchzudrehen?
Nein, tatsächlich fällt es mir schwer mich selbst ins beste Licht zu rücken und mein Leben bis zur Unkenntlichkeit zu romantisieren.
Vielleicht weil ich vornehmlich Leute kannte, die jeden negativen Impuls oder tatsächliche Tragödien komplett und rigoros unterdrückten und mit semigutem Sarkasmus zu überspielen versuchten.
Und mich dazu zwangen, da mitzuspielen.
Immer nur Ringel ringel Rose, tanzt ihr mal im Kreis, ich klinke mich an dieser Stelle aus.
Ich kam nie dazu, über das zu sprechen, wirklich zu sprechen, was mir so auf der Seele lag.
Vielleicht kann ich deshalb nicht aufhören, darüber zu schreiben.
Ich wünsche jedem immer nur Glück aber ich muss mich daran erinnern, dass ich das auch für mich darf.
Und, das ist schon schwer, wie soll ich damit klarkommen, es auch noch bei einer zweiten Person hinzubekommen?
Kurzer Gedankensprung zurück.
Das einzige, was wirklich nicht romantisiert werden kann, ist der Alltag, auch wenn es immer mehr versucht wird.
Was ich jedoch stark romantisiere ist mein Zuhause.
Weil es so viel mehr ist als das.
Mehr als ein Ort, an dem ich nachts schlafe und mich sonst so gut wie nie aufhalte, nein, ich nutze es nicht bloß als meine Base, wo ich eigentlich nur zum Klamottenwechseln hingehe weil ich permanent durch die Weltgeschichte düse oder damit beschäftigt bin, mit meinen unzähligen Freund*innen Kaffee trinken zu gehen und tiefsinnige Gespräche über Bücher, Filme und das Universum halte, (bei Gott, es dehnt sich aus, wohin, was ist dahinter, es muss ja Raum da sein, damit sich der Weltraum ausdehnen kann?!), über die Sinnhaftigkeit von Sternzeichen tratsche und der Tatsache, dass ich mich nicht schäme manche Defizite darauf zurückzuführen dass ich ein fucking Steinbock bin, womit ich früher immer haderte, da ich lieber Löwe oder Zwilling oder Wassermann sein wollte- aber mittlerweile nicht mehr.
Mein Zuhause ist viel mehr, ich stopfe es voll mit Pflanzen (lebendigen- und zwar schon bevor das trendy wurde)- oh tut mir leid ich kann heute nicht Feiern gehen, ich muss mich um meine Strelitzie kümmern und außerdem ist Kakteen-Düngungszeit- mit Büchern und Bildern, die mich auf besondere Art ansprechen, mit Kissen und Bettwäsche und spezieller Deko, die mein Gemüt erhellen und mein Herz erfreuen- verwundert stelle ich an dieser Stelle fest, dass Orange meine neue Lieblingsfarbe ist, was nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, wie positiv Orange auf deine Seele wirkt.
Ich habe zu keinem Posterspruch jemals eine tiefere Verbundenheit verspürt wie zu 'Home is where the fuckers ain't' und das sagt eigentlich auch schon alles.
Ich fühle mich unwohl wenn Besuch kommt, selbst Familie, ich kann das nicht gut ab. Es ist als wäre mein Zuhause eine Erweiterung meiner selbst, also mein persönlicher Raum, ein Teil von mir.
Und den teilt man ja auch nicht so mir nichts dir nichts mit Leuten.
Es ist Sicherheit und Wohlbehagen und meistens irgendwie unordentlich weil ich alles davon brauche, ich kann das nicht einfach alles in einen Schrank sperren, es ist ja auch ein Zuhause und kein steriler OP.
Ich habe wohl den Punkt vergessen auf den ich ursprünglich hinaus wollte.
Na ja, wie dem auch sei. Macht, was euch glücklich macht. (gilt nicht für beispielsweise Kannibalen, sucht euch ein anderes Hobby!)
-S.
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