Der Narr
Ich versuche noch immer herauszufinden, wie das alles funktioniert, was das soll und worauf es eigentlich hinausläuft.
Und ich meine das nicht auf Forschungen in Biochemie oder auf Grundlagen der Biologie und Physik bezogen, die mir z.B. erklären, warum zum Teufel unsere gesamte Galaxie durchs All rast oder den Sinn des Lebens und die Funktion des Menschen, so allgemein, ich meine es metaphorisch.
Auch wenn das Thema und die Metapher so abgelutscht ist wie der Drops von vorgestern, so ist es doch grundlegend wichtig für mich und nimmt einen großen Teil von mir in Anspruch.
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Ich bin so hart bemüht den Anschein des normalen zu wahren, dabei fühle ich mich alles andere als das. Bin so am Zittern weil ich bei längerem Kontakt mit anderen Angst habe, dass ich jeden Moment auffliege, demaskiert werde und alle mit dem Finger auf mich zeigen, wie bei Die Körperfresser kommen, wenn du nur die kleinste menschliche Reaktion zeigst.
Mit den meisten Leuten fällt es mir schwer zu reden, es funktioniert nicht so wie ich möchte, man redet aneinander vorbei oder was häufiger passiert, ich verfalle in eine Rolle, die gar nicht ich ist. Ich mag aber nicht ihnen die Schuld zuweisen, es liegt natürlich an mir.
Meine Vermutung ist auch, dass es zwei Arten von Menschen gibt: welche wie mich, die ständig versuchen nicht aufzufallen und zu verstehen versuchen, warum und was überhaupt vor sich geht und wer man ist und wie lange schon und die, die einfach im Moment sind und leben und reden, wie ihnen gerade ist und der Rest spielt eigentlich keine Rolle.
Es gibt in dieser Sache übrigens kein richtig oder falsch oder besser oder schlechter.
Es ist nur..anstrengend so zu sein wie ich.
Ständig das Gefühl zu haben, irgendwie falsch zu sein, nicht nur ich selbst, sondern überhaupt; grundsätzlich passen Zeit und Raum und ich nicht zusammen, ohne genau benennen zu können, woher das kommt oder warum es so intensiv ist.
*Jahrmarktmusik, dumpfes Stimmengewirr, es duftet nach gebackenen Äpfeln, es muss so um 1878 gewesen sein.
Mesdames et Messieurs, Ladies and Gentlemen, treten Sie näher, nur keine Scheu! Wählen Sie Ihre Maske!
Hallo Mademoiselle, welche darfs denn sein?
Ich hätte gern die Maske des Märzhasen.
*kritischer, durchdringender Blick aus grünen Augen– Jade?
Oh, vorzügliche Wahl, mutig, doch..ich denke nicht? Überlegen Sie noch einmal, gehen Sie tiefer in sich.
Äh..(diese Wendeltreppe gehe ich sicher nicht hinunter, nicht nochmal) ich tippe mit dem Zeigefinger auf mein Kinn, drei Mal
Ja, Sie wissen es, sagen Sie es mir oder flüstern Sie wenn Sie mögen*zwinker zwinker
..ist es die Narrenmaske? frage ich ernüchtert. Es ist der Narr, oder?
Herzlichen Glückwunsch meine Liebe, hier haben wir eine schöne, groteske Narrenmaske, extra für Sie angefertigt *freundliches Grinsen
Potzblitz verdammt! entfährt es mir schrill, sie ist grotesk im reinsten Wortsinn
Ich hätte lieber das Weiße Kaninchen, sage ich leicht jammernd und mit großem Bedauern vorgetragen
(immernoch freundliches Grinsen) Ja, naja, wer hätte das nicht? *überreicht mir feierlich die Narrenmaske
Seitdem erkenne ich sowohl Narren als auch Clowns bereits auf große Distanz mit geschlossenen Augen und kann dem Weißen Kanichen nicht mehr über den Weg trauen wenn ich es denn finden würde. Doch seit jeher verbindet uns etwas unsichtbares, unbenennbares und ich würde ihm überall hin folgen, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern
(Ah, ich liebe es)
(Eines Tages werde ich es finden- ticktack, ticktack)
Und seit jenem Abend auf dem Jahrmarkt versuche ich den Narr so gut wie möglich zu verbergen.
Gelingt mir meist doch recht gut, nehme ich an?-S.
Total toller Text. Auch wenn er sehr traurig ist, besonders der Satz "Es ist so anstrengend, so zu sein wie ich". Das ständige Gefühl, sich falsch zu fühlen, kann so anstrengend sein.
AntwortenLöschenbut for what it's worth, I don't think you're a fool.
Danke dir, das ist lieb:)
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