Unbestimmt
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Vielleicht ist diese Welt nicht für mich bestimmt. Der Rahmen wurde verschoben, verbogen.
Als ich klein war, irrte ich durchs Spiegelkabinett und fand den Ausgang nicht.
Vermied immer, direkt in die Spiegel zu sehen, starrte auf meine Füße.
Stieß mir den Kopf, doch ein anderer Weg, und immer dieses grauenhafte Lachen im Ohr.
Irgendwie wurde ich weder das Labyrinth noch die Spiegel los.
Spiegel haben nur eitle Leute, mein Kind! höre ich sie mahnend sagen, während sie sich unablässig im Spiegel auf dem Flur betrachtet, während sie telefoniert. Mir ist nie aufgefallen, wie groß er war.
Ambivalenz und Gleichgültigkeit wurden mir in die Wiege gelegt.
Ich wollte in mich hineingreifen, meine DNA entwirren und neu zusammensetzen. Wie Frankensteins Monster stolperte ich durch die Gegend, den Blick noch immer auf meine Füße gerichtet.
Ich habe den Ausgang gefunden, irgendwie, doch ich habe den Weg erahnt, nicht gesehen. Meine Intuition war immer etwas, auf das Verlass war. Jedes Mal wenn ich doch mal meinem Blick im Spiegel begegnete, schaute ich schnell wieder weg.
Keine Ahnung, wer diese Person war. Die großen blauen Augen waren so durchdringend, suchend. Sie flehten um etwas, das es nicht gab.
Ich hätte es dir doch gesagt, wenn ich es gewusst hätte. Ich hätte es dir geschenkt, wenn ich es gehabt hätte. Ich hätte für dich gekämpft, wenn ich gewusst hätte, wofür.
Dieses scheißverdammte Spiegelkabinett.
Vielleicht war ich nie für diese Welt bestimmt.-S.
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