Mental Pogo und Hummeln

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Ich habe ein kleines Papierschiffchen gebastelt, mit einer Anleitung aus dem Internet, bin die kurze Böschung hinabgeschlittert, habe mich unten am Ufer hingekniet und gedacht, wenn ich alle dunklen Gedanken und schlechte Erlebnisse auf dieses zierliche Papierschiffchen packe, ganz fest daran glaube (ich glaube das ist der eigentliche Kern des Ganzen, daran zu glauben) und es anstupse und dabei zusehe wie es langsam dahin treibt, gemächlich und friedlich, bis es so mit Wasser vollgesogen ist dass es schließlich dramatisch untergeht wie einst die Titanic (nur mit weit weniger Opfern), ja dann. Sind die dunklen Gedanken mit abgesoffen? Liegen alle schlechten Erinnerungen auf dem Grund dieses trüben Sees? Wenn ich nur fest daran glaube, sie so loszuwerden, brauche ich dann dieses Papierschiffchen?
Die Wahrheit ist, dieses Papierschiffchen existiert gar nicht, ich habe nicht nach einer Anleitung gesucht und bin nicht zum See gegangen und habe mich auch nicht dort ans Ufer gesetzt.
Ich bin wahnsinnig ungeschickt und trotz meines Langmutes wahnsinnig ungeduldig, ach da ist sie wieder, die Ambivalenz.
Ich könnte alles neu schreiben, so, als wäre alles super, ich könnte hier erzählen was ich will, ich kann mir alles bloß ausdenken, kleine Geschichten, eine Parallelwelt erschaffen, erstunken und erlogen und niemand würde es wissen.
Früher wenn mir jemand irgendwie gegen den Strich ging, habe ich eine kleine Lüge erzählt. Es hat überhaupt nichts gebracht, verändert oder irgendwas, ich weiß nichtmal wirklich warum genau ich das getan habe. Es war auch nur vielleicht dreimal überhaupt aber ich habe es getan.
Vielleicht war ich da schon auf der Suche nach Antworten und irgend etwas anderem, ich weiß es nicht (oder war es eine kleine Rebellion? Ein Witz, den nur ich verstehe?)
Aber ich habe es damals schon gehasst mit einem Label versehen zu werden. Von anderen. Ich habe es nicht verstanden, woher andere diese Selbstverständlichkeit nahmen, andere einzuteilen, nicht nur in 'hat einen Wert' und 'kann weg', sondern ganz allgemein in viele kleine Dinge. Du bist so und so und wenn du dich nach ihrer Ansicht außerhalb dieser Einteilung bewegt hast, war irgendwas mit dir nicht in Ordnung, du warst falsch, komisch, unauthentisch (auch wenn dieses Wort damals nicht gefallen ist)
Und ich verstehe ein bisschen, warum einige das getan haben und diese Gefühle hatten, zumindest glaube ich es zu wissen. Es geht zum Einen um Sicherheit, darum, dich genau einschätzen zu können und zu wissen, wie du wann reagierst. Aber andererseits ist es auch ein mächtiges Tool um dich zu kontrollieren und zu framen (auch das Wort ist nie gefallen aber genau so war es) Sie bestimmen wer du bist, wie du zu sein hast.
Aber ich habe mich immer dagegen gewehrt weil mir immer-wenn auch unbewusst- klar war, dass Menschen nicht bloß eindimensional sind, nicht bloß das Bild sind, welches man sieht, sondern noch ganz viel mehr darunter liegt und es bei manchen in Dimensionen ausartet, die man lieber niemals erkunden möchte.
Aber verstanden wurde das nie, von niemandem.
Aber ich bekam immer mehr den Eindruck, dass die Menschen um mich herum, wirklich jeder einzelne, der in meiner Kindheit und Jugend meinen Weg kreuzte, eine total oberflächliche Abbildung eines Menschen war, ohne das was darunter oder dahinter wäre.
Das war ein ganz schreckliches Gefühl.
Dieser Eindruck hat mein Gefühl erweckt, hier nicht richtig zu sein,
gerade wenn man noch ein Kind und Jugendliche ist, und nicht beeinflussen kann, wo man lebt und mit wem, war das Gefühl gefangen in diesem Dunstkreis zu sein, ganz intensiv und ausweglos.
Ich habe nie die Freiheit verspürt, einfach ein Kind oder ein Teenie zu sein und Dinge und Grenzen auszuloten, dumm zu sein, übermütig, sich auszuprobieren und zehnmal am Tag die Meinung zu ändern.
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Hier habe ich aufgehört diesen Erguss weiter zu verwursteln und habe dann völlig den Faden verloren.
Mir kam stattdessen ein Gedanke, der mich nun seit Tagen beschäftigt.
Warum (und eigentlich ob das überhaupt so ist) also warum sich immer nur Wespen in Wohnungen verirren aber niemals Hummeln.
Ich hatte noch nie eine Hummel in der Wohnung oder habe gehört dass jemand eine in der Wohnung hatte.
Es wäre doch eine aufgeregte Mitteilung wert würde man eine Hummel im Wohnzimmer vorfinden- einfach weil das so gut wie nie (vermute ich) vorkommt.
Aber Wespen? Meine Güte, haben die ein schlechtes Navigationssystem oder was ist es, dass die ständig durch geöffnete Fenster fliegen- aber nie selbstständig wieder raus?
Hummeln dagegen? Fliegen nur draußen mal an dich ran, manchmal stupsen sie auch kurz an und tschüss aber sie fliegen nicht in geöffnete Fenster oder Türen und irren umher.
Jedenfalls ja, der Gedanke wird mich nicht loslassen, bis mir eine Person glaubhaft vermitteln kann, schon mal eine Hummel in einer Wohnung gesehen zu haben.
Überlegung: vielleicht nisten Wespen durchaus in Öffnungen oder Nischen von Häusern jeder Art- Hummeln aber nicht, da die eher in Erdlöchern nisten (was natürlich auch in einem Garten sein kann). Hummeln kommen wenn Blumen auf dem Balkon oder Garten sind, Wespen machen sich auch über Kuchen und so her (hab sogar mal eine beobachtet die Dönerfleisch schnabulierte, war faszinierend) weshalb sie öfter in der Nähe von Menschen sind als Hummeln, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die in Wohnungen vorzufinden sind.
Ergibt doch Sinn?
Naja. Bis bald-S.

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