Buchvorstellung/Besprechung
Ruhm- Daniel Kehlmann
It ends with us- Colleen Hoover
Frostgras- Angelika Lauriel
Die Mitternachtsbibliothek- Matt Haig
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Ich möchte, ich muss über diese Bücher schreiben, meine Ansichten dazu loswerden.
Schreibt sehr gern eure Meinung dazu, egal ob abweichend von meiner, es interessiert mich immer sehr, was andere denken, wie sie etwas sehen.
Das sind alles keine Neuheiten, darum geht es bei der Buchvorstellung auch nicht, nicht vorrangig, natürlich können auch Neuerscheinungen dabei sein.
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Ruhm von Daniel Kehlmann
Dieses Buch verfolgt mich in meine Träume und das nicht auf die gute Art. Es ist ein absolutes Horror-Buch, das mit seinen 9 lose zusammenhängenden Kurzgeschichten eine Gänsehaut bei mir verursacht, wie es fast nur Stephen King schafft aber von völlig anderer Qualität.
Es ist kein Blut oder Mord und Gedärme nötig, nein, dieses Buch kriecht anders unter die Haut, vielleicht weil es Ängste anspricht, denen wir uns oft gar nicht bewusst sind, weil er seine Protagonisten aus dem normalen, vermeintlich sicheren Alltag heraus in Situationen bringt, die beängstigend und ausweglos sind oder wirken. Ich habe das Buch schon vor Jahren gelesen und seitdem geht es mir nicht aus dem Kopf, vor allem 'Osten' über die Schriftstellerin Maria Rubinstein ist tief in meinem Kopf verankert.
Absolut grandios.
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Persönlicher Gesamteindruck: 4,5/5
Spannung: 4,5/5
Humor: 1/5
Spice: -/5
Stil/Lesefluss: 4/5
Logik(fehler) in der Handlung: 0,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur/en: 4/5
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It ends with us- Colleen Hoover
Es geht hier nur um das Buch, nicht die Verfilmung, die ich nebenbei bemerkt soweit ganz okay finde, auch wenn ich sowohl Blake Lively als auch Justin Baldoni (wie wohl die Mehrheit) irgendwie fehl am Platz finde- andererseits ist es utopisch beide in ihren zwanzigern anzusiedeln (Lily noch eher), für Ryle passt ein älterer Schauspieler besser also ist Baldoni okay (was da abseits der Leinwand vorgefallen ist oder nicht lasse ich hier mal außen vor, ist auch wichtig aber hier geht es nur um das Buch, auch wenn der Fall gut aufzeigt, wie perfekt die Frau sein muss, sich verhalten muss, damit ihr vielleicht geglaubt wird wenn sie Vorwürfe erhebt, es ist fast schon lustig, auf eine sarkastische Weise, dass diese Thematik aufgekommen ist, geradezu ein Paradebeispiel)
Also. Ich finde die Geschichte gut, das Thema wichtig, auch wie es erzählt, inszeniert wurde, die Verwirrung, die Erklärungen, es sei bestimmt nur ein Versehen, Unfall, anders als Lily es erinnert und so weiter, klingt sehr real.
Auch wie Lily es dann handhabt ist bewundernswert, vorbildlich.
Aber.
Mir kam es vor allem im zweiten Teil so vor, als dürfte Lily keine Fehler machen, sonst, ja, sonst was?
Es wurde gefühlt hundert Mal betont, sie wolle dem Kind ja nicht den Vater vorenthalten, wie sie ihre eigene Vergangenheit aufarbeitet, wie sehr sie zwar ihre Mutter bedauert aber zu ihr war ihr Dad ja immer lieb und so weiter.
Ich weiß nicht, ob ich klar machen kann, was mich richtig stark daran gestört hat.
Vielleicht dass es eigentlich keine Rolle spielt ob der Dad zu ihr lieb war? Er war ein Schläger hinter verschlossener Tür und ihre Mutter hat gelitten, auch wenn sie nicht den Mut oder die Stärke hatte, ihn zu verlassen, so trifft sie keine Schuld.
Ich könnte meinen Vater nicht lieben und sagen, ja aber mir hat er ja nichts getan, nur meine Mutter verprügelt, so what. Ne, er tut mir genauso was damit, nur auf einer anderen Ebene. Und die Tochter wie eine Prinzessin zu behandeln aber die eigene Frau verprügeln, ist fast noch schlimmer, denn er kann ja durchaus anders, oder? (in beide Richtungen) und das ist so oder so verachtenswert.
Auch das Lily so perfekt gehandelt hat, als hätte man nur dann das Recht auf seiner Seite, als dürfte sie keinen einzigen Fehler machen, nicht wütend, verletzt, was auch immer sein.
Wenn ein Mann so mit einer Frau umgeht, sich so wenig im Griff hat, obwohl er vorgibt sie zu lieben, hätte man als Mutter der gemeinsamen Tochter (oder des Sohnes) ja wohl das Recht dazu, dem nicht zu vertrauen und das Kind nicht vorbehaltlos in seine Obhut zu geben?! Da gibt es doch so viele Schichten von Angst und Misstrauen und Kontrollverlust etc und nicht bloß, aber er ist der Vater, ich will ihm sein Kind ja nicht vorenthalten/wegnehmen?
Als müsste die Frau (hier Lily stellvertretend für alle Frauen in ähnlicher Situation) absolut einwandfrei und perfekt sein und reagieren, damit man sie ja nicht kritisch sehen oder irgendwas vorwerfen kann (was leider oft genug vorkommt, da verschiebt sich der Fokus plötzlich und die Frau wird beleuchtet und seziert, anstatt den Mann und seine Taten zu verurteilen) was aber für die Frau nur menschlich wäre und die traurige Realität aufzeigen würde.
Ich weiß nicht, das hat mich jedenfalls sehr gestört.
Auch das Ryle einfach so aufgehört hat, sie hat ziehen lassen und das noch mit einem neuen Mann. Hier fehlte mir die reale Gefahr in denen sich reale Frauen nach der Trennung befinden (ob mit oder ohne vorherige körperliche oder psychische Gewalt)
Das kam hier gar nicht vor und das fehlte meiner Ansicht nach.
So war es dann doch eher ein klischeebelandener Liebesroman mit ein bisschen Drama, was ich angesichts des Themas schade finde, es hätte noch vielschichtiger sein müssen und die Gefahren einer solchen Beziehung und Trennung(!) näher beleuchten müssen, um dem Thema wirklich gerecht zu werden.
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Frostgras- Angelika Lauriel
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Große Leseempfehlung.
Es gibt Jugendliteratur und es gibt Jugendliteratur.
Ich habe neulich Schweig still, süßer Mund angefangen, einfach, weil ich es immer lesen wollte aber nie dazu kam und ich kam überhaupt nicht mit dem Stil zurecht. Man las in jeder Zeile, dass es ein Jugendbuch ist, es war mir zu einfach, zu flach erzählt und dadurch irgendwie super anstrengend zu lesen.
Frostgras gehört zwar auch zur Jugendliteratur, ist aber meiner Meinung nach zeitlos und hat eine ansprechendere, 'erwachsene' Erzählweise.
Für die 18jährige Julia läuft alles wie geschmiert, mit ihrer Mutter versteht sie sich blendend, ihren Freund kennt sie seit frühester Kindheit und auch sonst weiß sie, was sie will.
Doch eine Begegnung im Zug bringt eine Lawine ins Rollen.
Nicht nur das vergessene Notitzbuch dieses Jungen bringt Julia durcheinander, es sind vor allem seine Augen, die etwas in Julia auslösen und sie setzt alles daran, diesen Jungen wiederzufinden und das bringt sowohl sie selbst, als auch ihre ganze Welt wie sie sie zu kennen glaubte, ins Wanken und verändert alles.
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Persönlicher Gesamteindruck: 4,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: -/5
Spice: 1/5
Stil/Lesefluss: 4/5
Logik(fehler) in der Handlung: 0,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur/en: 4/5
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Die Mitternachtsbibliothek- Matt Haig
Eine interessante Idee, ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie mein Leben verlaufen wäre, hätte ich mich hier und dort anders entschieden oder verhalten, hätte es überhaupt eine gravierende Wendung genommen? (ja, sicher hätte es das) und sich überhaupt an solche Stellen oder Momente zu erinnern fand ich spannend.
Hier ist der Ausgangspunkt wesentlich dramatischer aber der Hauptprotagonistin werden verschiedene Versionen ihres Lebens gezeigt, was wäre wenn.
Fand ich alles sehr interessant und völlig okay geschrieben- bis auf das Ende.
⚠️ ACHTUNG SPOILER ⚠️
Ich hatte den starken Eindruck, der Autor wollte oder sollte positiv enden, weil es sonst möglicherweise zu düster ausgefallen wäre, nur, so ist das Leben manchmal.
Manchmal rückt sich nicht alles wieder gerade oder ergibt sich eine Möglichkeit oder war nur ein Missverständnis oder wurde zu negativ gesehen.
Manchmal ist es genau das, schlimm, schmerzhaft, und zumindest in diese Richtung ausweglos.
Mir ist klar, dass es heikel ist und ein Suizid sollte niemals die Lösung eines oder mehrerer Probleme sein oder als Ausweg dargestellt werden.
Doch das Ende war mir dennoch viel zu positiv, es wäre für mein Empfinden realistischer gewesen, hätte sich die eine oder andere Sache nicht wie durch Zauberhand geklärt, sondern es wäre erlaubt gewesen zu zeigen, dass manchmal Dinge scheiße laufen und scheiße bleiben und man dennoch weitermachen kann, es sich lohnt, weiterzumachen.
So empfand ich das Ende als utopisch, utopischer als die Mitternachtsbibliothek selbst.
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Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: -/5
Spice: -/5
Stil/Lesefluss: 3,5/5
Logik(fehler) in der Handlung: 0,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur: 3,5/5
Ruhm ist so ein gutes Buch, da kann ich dir nur Recht geben. Hatte schon fast vergessen dass es existiert, vielleicht hole ich das mal wieder aus dem Schrank :) Für die Mitternachtsbibliothek hätte ich mir auch ein anders Ende gewünscht... mochte das Konzept von dem Buch eigentlich sehr, aber das Ende ist nur so meh. Frostgras kommt mal auf meine Liste :) Liebe Grüße! Rain
AntwortenLöschenHallo Rain!
AntwortenLöschenViel Spaß beim Lesen:)
Noch ein zeitloses sehr gutes Jugendbuch ist übrigens Caras Schatten, lese ich immer mal wieder, wollte ich in der nächstes Buchvorstellung mit reinnehmen.
Liebe Grüße, Danke für deinen Kommentar!
Daniel Kehlmann ist auch für mich ein Besonderer. Bücher haben Tiefe - ungeahnte oft. Ich mag seine Herangehensweise an die Dinge, die er schreibt. Mich lockt er immer.
AntwortenLöschenBeruflich war ich Leiterin einer Bibliothek. Und da kann ich sagen, dass Kehlmanns Bücher nicht bei allen Menschen ankamen. Ich jedenfalls konnte und kann nie von ihm lassen.
Hallo Edith,
LöschenVermutlich finden sich bei so ziemlich jedem Autor/jeder Autorin Leute, die keine Fans sind, so ist das eben.
Das klingt nach einem tollen Job in einer Bibliothek zu arbeiten bzw. sie zu leiten.
Danke für deinen Kommentar!
Silver