7 unmögliche Dinge

"But it's no use going back to yesterday, because I was a different person then." 
~Lewis Carroll, Alice in Wonderland

Ich kann vor dem Frühstück nicht an sechs unmögliche Dinge
denken, nicht an sechs und schon gar nicht an sieben.
Vor dem Frühstück bin ich zu nichts wirklich fähig.
Aber zum Nachmittagsteekränzchen bin ich voll dabei. Ich versuche mich darin zu üben, versprochen, Rote Königin.
Also dann.

1. unmögliche Sache: erwachsen werden, urgh (ich meine, ich bin ja erwachsen aber meine Angst davor hat wohl doch etwas bewahrt (oder gebremst?) oder vielleicht darf ich jetzt einfach so sein wie ich bin, was bedeutet, sich nutzlos und leer zu fühlen, juhu. Nur gibts dafür halt kein Feuerwerk. Sehr schade. Was sich nicht geändert hat ist dagegen, dass ich nach wie vor eine geradezu groteske Angst vor humorloser Ernsthaftigkeit habe, vor Leuten, die völlig frei von jeglichem Humorverständnis sind. Die böse werden wenn man lacht und versuchen, etwas negatives darin zu sehen. Kennt ihr das Meme von Leslie Nielsen als Dracula, wie er kerzengerade aus seinem Sarg hochkommt und sich den Kopf an einem Kronleuchter stößt? Das ist lustig. Egal wie oft ich das sehe, ich muss lachen. Habt ihr schon mal Hühner rennen sehen? Bringt mich immer zu lachen. Womöglich bin ich leicht zum Lachen zu bringen, was solls.

Nächste unmögliche Sache:
2. Glücklichsein.
Kann ich je glücklich sein?
Eine kleine Beichte. Manchmal wenn ich ausgelassene Leute beobachte oder wie ein Ex tanzte und unbeschwert wirkte, bekam ich Bauchweh. Irgendwas daran hat mich zutiefst verstört.
Zum einen weil er tanzte als wäre er Michael Hutchence (ja, merkwürdige Referenz und ich weiß gerade nichtmal ob der überhaupt getanzt hat als er noch lebte, Gott hab ihn selig) -er wusste nichtmal wer das ist (und sah auch überhaupt nicht so aus), er wusste eh nicht viel aber musste mir immer das Gefühl geben als wäre ich dumm, mit so Fragen, wie man was auf Englisch ausspricht zum Beispiel, in Erwartung mich irgendwie runtermachen zu können. Zum kotzen solche Leute.
Warum stört es mich aber nun manchmal wenn Menschen versuchen glücklich zu sein, in dem Moment? Ob es auf mich gekünstelt wirkt? Ob ich selbst es nicht fühle oder fühlen kann und es so gern möchte? Ich weiß es nicht. Vielleicht gab es mir in der Situation einfach den ultimativen Ick.

Dritte unmögliche Sache: Death Note (love it)
Ehrlich gesagt würde ich das Notizheft benutzen, ich würde kurz zögern aber dann würde ich nichtmal mit der Wimper zucken.
Nein, es hat nichts mit einem narzisstischen Gottkomplex zu tun, wie Light ihn an den Tag legte, sondern mit reinem Gerechtigkeitssinn.
Wer bin ich, Justitia? Nein, ich bin nämlich nicht blind. Aber Verbrecher müssten sich verdammt warm anziehen. Ich habe es schon oft durchgespielt, es kann nämlich auch ganz grandios in die Hose gehen.
Und ja, es würde eventuell die Welt in Aufruhr versetzen aber noch schlimmer kanns eigentlich nicht werden. Nein, es würde so einiges geraderücken, paradiesisch geradezu.
Würdet ihr es benutzen?

Vierte unmögliche Sache: wird es mal einen Tag in meinem Leben geben an denen ich kein einziges Symptom der Angststörung spüre und ohne Bauchweh, ohne Sorgen, ohne Probleme einfach das machen kann was ich eigentlich machen möchte? Einfach so das Haus verlassen, werde ich einmal einfach zum Einkaufen gehen können ohne Schweißausbüche?
Werde ich einmal eine Entscheidung treffen, einen Schritt nach vorn gehen ohne 95 1/2 Szenarien im Kopf, die alle in die Katastrophe führen?
Werde ich mich einmal nicht komisch mit anderen Menschen fühlen, nicht allein unter ihnen, werde ich einmal nicht sofort wissen, was mit Person xy nicht stimmt und mal nicht tatsächlich recht damit haben?
Werde ich mich mit meinen Fehlern vielleicht mal annehmen und mir selbst vergeben und Fehler zugestehen, die ich bei anderen nichtmal als Fehler bemängeln würde?
Es wäre ehrlich gesagt eher ein 3 Uhr morgens-Teekränzchen, denn in der Nacht bin ich geistig so aktiv, das ich nicht schlafen kann.
Das ist ein Problem denn das macht den Tag so viel anstrengender.

5.: ein mir unwahrscheinlich zu erfüllendes Vorhaben. Gesund werden. Ja, ich weiß ich bin depressiv, auch wenn ichs nicht wahrhaben will, es geht immer irgendwie aber es macht gar keinen Spaß. Es ist ein Hangeln von Tag zu Tag, mit den unter Punkt vier genannten Dingen, mit einer tiefen tiefen Lustlosigkeit weil kein Sinn gesehen wird.
Ich interessiere mich nicht. Für nichts. Ich bewundere Menschen die aus eigenem Antrieb etwas anfangen, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es möchten. Sei es Stricken, Programmieren oder eine besonders komplizierte Sprache lernen, einfach so. Das fasziniert mich total. Ich bin schon überfordert davon einen Teebeutel in eine Tasse zu werfen, besonders wenn der Beutel unsinnigerweise ineinander verwurstelt ist und ich den auseinander friemeln muss- klar, entweder reißt das Bändchen oder der Beutel, ich hasse alles daran.

6. unmögliche Sache: ich glaube, ich werde niemals eine Therapie machen. Zwei Versuche gestartet, zwei Nieten gezogen. Der Witz an totaler Erschöpfung und Überforderung ist, dass man nichtmal Bock darauf hat, den ganzen verdammten Scheiß immer und immer wieder durchzukauen und die permanente Angst, nicht ernst genommen zu werden (die letzte Pappnase hat mir echt den Rest gegeben, unfassbar)
Irgendwie gehts ja doch, ich habe es schon seit ich ein Kind bin, ich weiß wie ich Normalität vorspielen kann. Ich bin müde.

Siebte unmögliche Sache (hey, es sind ja doch sieben geworden)- manchmal denke ich, es wäre schön ein paar ausgewählte Texte zu bündeln und in einem kleinen Büchlein abzudrucken. Ich bin nicht größenwahnsinnig, nicht um es zu veröffentlichen, sondern für mich.
Wäre gespannt, wie es aussieht, sich anfühlt, die Texte, die mir was bedeuten in den Händen zu halten, als Büchlein.
Vielleicht interessieren mich doch zwei drei Dinge. Ich muss darüber nachdenken.-S.

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