Novemberhimmel

                      *

'And I find it kind of funny
I find it kind of sad
The dreams in which I'm dying
Are the best I've ever had'
Mad World

                   *

Die Bilder an der Wand sind vergilbt- Zigarettenrauch und Zeit.
Waren sie früher das Abbild einer glücklichen Erinnerung, sind sie heute, Jahrzehnte später, ein grausames Zeugnis vom gnadenlosen Verrinnen der Tage, der Jahre, von denen wir immer glauben, viel zu viele davon noch vor uns zu haben.
So schmerzhaft der Anblick dieser Bilder- aus einer scheinbar anderen Epoche entsprungen- auch war, so zeugen sie auch von einem gelebten Leben.
Diese Momentaufnahmen waren einige von unzähligen, doch eher zu finden in deinen Erinnerungen, als abgelichtet und ausgedruckt.
Ich habe kein einziges Bild von dir aber habe deine Hand gehalten als du schon halb auf der anderen Seite warst. Blumen in eine Vase gestellt, die erschreckend schwer aufzutreiben war, an diesem traurigen, erschütternd klinischen, distanzieren Ort.
Hast du sie überhaupt wahrgenommen? Hast du mich  wahrgenommen?
Nein, ich habe kein Foto von dir, oder, wenn ich grabe, vielleicht eines. Aber auch wenn ich kein Zeugnis von deiner Anwesenheit in meinem Leben habe, so habe ich dich doch immer bei mir.
Und hin und wieder denke ich an dich, du hattest ein volles, langes Leben, mit vielen Höhen und sehr dunklen Tiefen.
Wenn ich an die vergilbten Bilder in deinem Flur denke und wie schnell die Jahrzehnte verflogen sein müssen, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.
Das Leben und ich waren nie die allerbesten Freunde. Auch wenn ich dachte, nie sehr an diesem Freund zu hängen, so möchte ich ihn doch nicht missen.
Ich weiß nicht, wohin das führt, es liegt im Bereich des Möglichen, dass die Party schneller ein Ende findet als gedacht.
Obwohl. Dieser andere Freund war immer ein Teil meines Lebens, der dunkle Freund, der immer an meiner Seite war, irgendwo in meinem Kopf, sitzend auf meiner Schulter, als Schatten direkt neben mir. Ich weiß nicht wann ich ihn kennenlernte, er war einfach immer da. Und er kämpfte mit dem Leben, wetteiferte, stritt, hat sich verglichen, aufgedrängt, geschmeichelt, gelockt.
Mal sehen ob wir Hand in Hand gen Sonnenuntergang verschwinden oder ob er mir noch etwas Zeit überlässt. Es ist schon komisch, dieses Leben.-S.


Kommentare

  1. Liebe Silver, ein toller Text, heut an Allerheiligen. Ja, da denkt man vermehrt an den Tod, der von erster Sekunde des Lebens, unseres Lebens, an unserer Seite war und ist. Und Erinnerungen erwachen für die, die nicht mehr sind.
    Ich danke dir.
    Liebe Grüße,
    Edith

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    1. Danke liebe Edith:)
      Ach guck, Allerheiligen hatte ich gar nicht auf dem Schirm, passt ja wirklich gut.

      Liebe Grüße,
      Silver

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