Buchvorstellung
3 Thriller- oder so
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Joy Fielding- Blind Date Goldmann Verlag, Thriller
C.M. Ewan- Etage 13 blanvolet, Thriller
Simon Beckett- Knochenkälte Rowohlt, Thriller
ACHTUNG! KANN SPOILER ENTHALTEN!
Mögt ihr Thriller? Ich schon. Wenn es denn ein richtiger Thriller ist.
Joy Fielding ist eigentlich eine sichere Bank, mit Sag Mami Goodbye, Lauf, Jane, lauf! oder Ein mörderischer Sommer, um nur ein paar zu nennen, hat sie großartige Thriller abgeliefert.
Aber dieser hier? Könnte wirklich spannend sein, würde es mit dem letzten Drittel anfangen und alles davor nur kurz erwähnt werden.
Ich hatte ein Katz- und Mausspiel erwartet, dass die Protagonistin den Bösewicht überlistet, etwas in die Richtung. Oder dass sie überhaupt mal aufeinandertreffen.
Gut, man könnte sagen, es sei spannend, in welcher Gefahr sie schwebte ohne es zu ahnen, nur dafür wurde es dann doch zu wenig behandelt.
Es standen eher das Liebesleben ihrer Mutter, die Sidestory ihrer besten Freundin (häusliche Gewalt, muss auch irgendwie reingequetscht werden weil wichtiges Thema) und ihre übertrieben bösartige Cousine im Vordergrund.
Das hat mich daran am wenigsten interessiert. Wann hat es sich so weit verbreitet, mehrere Handlungsstränge aufzubauen, die aber irgendwie unnötig für die eigentliche Story sind? Es war kein Thriller, eher eine Gesellschaftsstudie, ein Generationenroman, was an anderer Stelle sicher lesenswert wäre- hier aber einfach überbordend und sorry, etwas langatmig und langweilig ist.
Mit der Protagonistin wurde ich leider nicht wirklich warm.
Sie wirkte etwas fad oder um es mit den Worten der bösen Cousine zu sagen: spießig und langweilig. Auch ihre Mutter, was soll ich sagen. Ein stereotyper Prototyp wie er im Buche steht. (pun intended). Irgendwie überfürsorglich, das dauernde 'Schätzchen' zu ihrer Tochter furchtbar anstrengend.
Ein eigentlich spannender Plot - den Plot mit 'Mr. Right', ein mordender aber sehr attraktiver Psychopath, eine ahnungslose Protagonistin, die eben jenem ins Auge als 'letztes Opfer' (in dieser Stadt) gefallen ist. Dieser Plot war nur gar nicht die eigentliche Handlung, was das gesamte Werk fadenscheinig wirken lässt, unfertig, unklar in seiner Struktur und Daseinsberechtigung. Man fragt sich einfach, was das Ganze soll.
Die Möglichkeiten wurden hier leider gar nicht ausgeschöpft und das Ende war so, hm. Okay. Leider ebenso farblos wie der Rest. Gerade als es spannend werden könnte, war es vorbei.
Mehr Worte fallen mir dazu nicht ein.
Persönlicher Gesamteindruck: 2,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: -
Spice: 1
Stil/Lesefluss: Hörbuch, Stil: 3,5/5
Logik(fehler) in der Handlung: 1,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur/en: 2/5
C.M. Ewan Etage 13
Ein harmlos beginnendes Vorstellungsgespräch entwickelt sich zu einem tödlichen Spiel um Wahrheit und Gerechtigkeit.
Der Plot ist spannend, die Story gut aufgebaut. Mit jeder Stunde die verstreicht (die Handlung spielt an einem Tag aber mit Rückblenden) wird die Intensität stärker, die Brutalität heftiger, die Ausweglosigkeit deutlicher.
Aber. Ich frage mich, warum eigentlich so ein Aufwand betrieben und auch so ein Risiko -wenn auch ein scheinbar kleines- eingegangen wurde, diesen Ort zu wählen. Ein hochmodernes, verspiegeltes Bürohochhaus mitten in London.
Warum unnötig viele Außenstehende bedrohen oder mit einbeziehen, einen mehr oder weniger öffentlichen Ort wählen?
Das macht den gesamten Plot irgendwie fast unglaubwürdig.
Für die eigentliche Sache um die es geht (ein Prozess um tödlich erkranktes Kabinenpersonal einer Fluggesellschaft, für die die Protagonistin tätig war und ein Flugzeugabsturz eben jener Gesellschaft, bei der ihr Ehemann-ebenfalls tätig für die selbe Fluggesellschaft- gestorben ist) ist dieser Ort völlig ungeeignet und dann doch ein zu großes Risiko. Das vorgeschobene Vorstellungsgespräch, wozu die Mühe? Die Drahtzieher haben Mittel und Wege, das ganze völlig anonym und unbemerkt von jedem, der nichts damit zu tun hat, durchzuziehen.
Das wäre das. Ansonsten gibt es, was Spannung und Stil angeht, nichts zu bemängeln.
Dann das Ende.
Meiner Meinung nach völlig unnötig hart, denjenigen, der am wenigsten mit der Sache zu tun hat, das Leben zu nehmen. Der kleine aber durchaus in einem dämmernde Verdacht, der dann tatsächlich bestätigt wurde, war okay aber vorhersehbar. Ein von langer Hand geplanter, ausgeklügelter Plan, der bei näherer Betrachtung übertrieben aufwendig ist aber rein für die Story und Möglichkeiten gewählt wurde, was bei Voranschreiten der Geschichte immer deutlicher wird.
Die Protagonistin ist recht gut gezeichnet auch wenn es der Figur trotz allem an Tiefe fehlt. Der Antagonist ist aalglatt und so, wie man sich so einen Mann seines Faches vorstellt, fast schon Klischeehaft, sein Auftreten, Aussehen, seine Fähigkeit, Mimik, Sprache und Verhalten zu deuten, Lügen zu entlarven.
Seine Beweggründe, dieser kleine Twist ist fast am interessantesten, sein Schicksal hätte für mich nicht so besiegelt werden müssen.
Diese Situation in der Tiefgarage, wie sie vom Autor gelöst wurde, ergibt auch wenig Sinn bzw. hätte ich mir etwas anderes gewünscht.
Insgesamt ein guter Thriller mit einigen Twists, und teilweise langatmig, doch spannend bis zum Ende.
Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 3,5/5
Humor: -
Spice: -
Stil/Lesefluss: Stil 4/5, Hörbuch
Logik(fehler) in der Handlung: 2,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur/en: 3/5
Simon Beckett, Knochenkälte
Ich habe mit Spannung auf diesen neuen David Hunter gewartet, die Leseprobe war vielversprechend.
Doch ich muss schmerzhaft bekennen, dass ich Knochenkälte für den schwächsten Band der Reihe halte.
Die Kulisse ist spannend, ein abgelegenes und von der Außenwelt abgeschnittenes Dorf in den Bergen (ähnlich wie bei Kalte Asche auf Runa, einer fiktiven Insel der äußeren Hebriden, die durch einen Sturm von Hilfe abgeschnitten war), mit den typisch kauzigen Bewohnen, die David Hunter größtenteils feindselig begegnen.
Doch die ganze Story inklusive deren Auflösung erzeugt und hinterlässt absoluten keinen Thrill oder eine Überraschung. Es geht die ganze Zeit einen geraden Weg und der einzige wirkliche Stinkstiefel, der in Frage kommt,
ist es dann am Ende auch, wobei die Beweggründe fadenscheinig wirken und die ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen habe.
Hätte ich es gelesen und nicht als Hörbuch gehört, hätte ich das Buch auf Links gedreht um zu schauen, ob noch irgendwas kommt.
Der vorige Band, Die ewigen Toten, endet spannend, David besucht am Ende seinen ganz persönlichen Alptraum- Grace Strachan, seine Nemesis seit Kalte Asche (Band 2).
Ich hätte mir hier doch noch ein paar Worte zu dieser Begegnung gewünscht.
Vielleicht ist Simon Beckett seines Helden überdrüssig, ich zumindest bin etwas traurig, dass Knochenkälte so seltsam unambitioniert und ohne wirklich Fahrt aufzunehmen, ohne Biss daherkommt.
Es ist solide, ja, gut. Darüber hinaus bleibt es für meinen Geschmack weit hinter jedem anderen David Hunter-Band zurück.
Lohnt es sich trotzdem? Ja, einfach weil es sich um David Hunter dreht.
Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: -
Spice: -
Stil/Lesefluss: Stil 4, Hörbuch
Logik(fehler) in der Handlung: 1,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur/en: 3,5-4/5
Hallo Silver,
AntwortenLöschenich bin ja nicht so die Krimileserin und daher habe ich von den genannten Autoren bislang auch noch kein Buch gelesen. Aber natürlich sagen mir die Namen etwas. Ich finde es sehr schade, dass dich diese Geschichten allesamt nicht voll zu überzeugen wussten. Gerade, weil du - durch vorherige positive Erfahrungen - und vielleicht auch aufgrund der Tatsache, dass diese Autoren sich z.T. ja einen sehr guten Ruf erarbeitet haben, hohe Erwartungen hattest. Und wenn man dann auch dieses Genre liebt und gleich mehrere Bücher aufeinanderfolgen, die nicht so richtig zu fesseln wissen, dann kann das ernüchternd sein. Ich hoffe sehr, dass du das Genre noch weiterhin gerne lesen möchtest und dass du nun beim nächsten Buch einen richtig guten Griff machen wirst und wieder so richtig in die Geschichte versinken kannst. Ich drücke fest die Daumen!
Ich wünsche dir einen entspannten und schönen dritten Advent.
Liebe Grüße
Tanja