Mitmachaktion: Mein Lesetipp für den Frühling

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Eine Mitmachaktion von Tanja und Leni
Blogger empfehlen dir ihr Lieblingsbuch für den Frühling 2026

Ich habe mir 2 Bücher ausgesucht, die unterschiedlicher wohl nicht sein können, beides zeitlose Klassiker.

Meine 1. Empfehlung: 
Tiefe Wasser
Patricia Highsmith
Diogenes Verlag


Tiefe Wasser von Patricia Highsmith, Autorin des ebenfalls erfolgreichen Romans (mit mehreren Verfilmungen), Der talentierte Mr. Ripley, sowie dem 1950 erschienenen Debüt-Roman Zwei fremde im Zug. Von Hitchcock 1951 verfilmt und längst ein Filmklassiker.
Leider ist die Autorin nicht unumstritten, es lässt sich jedoch nicht viel darüber finden.
Ich bin mir nicht klar ob ich Werk vom Autor trennen kann, in diesem Fall habe ich den Roman losgelöst von der Autorin lesen können, vielleicht weil ich gar keinen tieferen Bezug zu ihr habe.
Das kann natürlich jeder für sich selbst entscheiden.


Tiefe Wasser
Veröffentlicht 1957. Hier geht es um eine hochgradig toxische Ehe zwischen dem ruhigen, vielseitig interessierten Vic und Melinda, seiner umtriebigen, lebenslustigen Frau, die sich in der Ehe langweilt und auch nicht um die gemeinsame Tochter bemüht ist.
Stille Wasser sind tief und das trifft perfekt auf Vic zu.
Vic ist ein toller Kerl. Vic ist hilfsbereit und großzügig, intelligent, gleichmütig, kümmert sich um die gemeinsame Tochter, ist fast schon zu tolerant und devot.
Melinda, seine Frau, ist eher schlicht, liebt es, im Mittelpunkt zu stehen, zu feiern und schleppt einen Liebhaber nach dem anderen an. Vic gibt vor, überhaupt kein Problem damit zu haben, was sie zu immer neuen Eskapaden antreibt  Sie demütig ihn bewusst oder unbewusst, indem sie ihre Affären vor ihren Freunden auslebt und den jeweiligen Kavalier zu den Parties ihrer Freunde mitschleppt.
Die Freunde haben Mitleid mit Vic, sie haben Verständnis, jedoch versuchen sie vermehrt, ihn zum Handeln zu bewegen, raten ihm, Melinda 'unter Kontrolle' zu bringen, da ihr Verhalten seinem Ansehen schadet und Vic zunehmend als passiv wahrgenommen wird.
Vic macht sich einen Spaß daraus, einem zunehmend dreister werdenden Liebhaber seiner Frau weiszumachen, er hätte einen seiner Vorgänger ermordet.
Verschreckt zieht dieser sich daraufhin zurück. Später wird der wahre Täter ausfindig gemacht, doch manchen kommt dieser Vorfall, dieser Spaß merkwürdig vor und sie behalten Vic im Auge, allen voran der neuzugezogene Don, auch Melinda bezichtigt in des Mordes.
Melinda ist dennoch kaum zu stoppen und als sie den Pianisten Charlie anschleppt, einen, laut Vic, unattraktiven Typen, beginnt sich etwas in Vic zu regen.
Bei einer Poolparty im Hause eines befreundeten Paares überschreitet er eine Grenze. Und kurz darauf noch eine.
Eine Spirale setzt sich in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Zusammenfassung: Der Roman setzt weniger auf Schockmomente, sondern hat eher ein Augenmerk auf die Psychologie.
Wir beobachten Vic bei seiner Wandlung von einem äußeren ruhigen, liebenswürdigen wenn auch seltsamen Typen, zu einem obsessiven, mordlustigen Ehemann, der die Fassade aufrecht erhalten will. 
Melinda möchte provozieren, Vic irgendeine Regung entlocken, der meist stoisch und distanziert wirkt.
Sein Blick auf Melinda verändert sich, er empfindet sie zunehmend als abstoßend, seine Abneigung beruht jedoch nicht nur auf Eifersucht. Er kann und will keine körperliche Nähe zu seiner Frau, die Vic gegenüber zunehmend zugewandter auftritt, was ihn anfangs freut, doch immer mehr beleidigt und misstrauisch macht.
Eine toxische Beziehung, die langsam aber sicher aus dem Ruder läuft.

Film: Der Roman wurde mehrfach verfilmt, jüngst im Jahre 2022 mit Ben Affleck, Ana de Armas und
Jacob Elordi, sehr gut besetzt und umgesetzt, auch wenn hier Melinda etwas zugänglicher gezeigt wird, auch im Hinblick auf die gemeinsame kleine Tochter, die sie im Buch eher kalt behandelt und sich nicht um sie schert. Auch die Liebhaber sind im Film deutlich attraktiver als im Buch beschrieben, was Melindas Verhalten vielleicht verständlicher erscheinen lässt, das im Buch jedoch vielschichtiger und gleichzeitig undurchsichtiger. Es scheint eher Vics Ego geschuldet, dass er sie so beschreibt, um die Kontrolle und Überhand zu behalten.
Das Ende, warum auch immer, wurde ebenfalls abgeändert.

Fazit: Man muss den Roman, seine Figuren und die Umstände mit der Zeit, in der der Roman geschrieben wurde, im Hinterkopf behalten, 1957 war eine andere Zeit, was unbestritten ist.
Ich finde aber, es hält sich in Grenzen, man kann das Buch gut lesen oder hören, ohne ständig zu denken, oh je, was für eine verstaubte Zeit! Es könnte genauso gut auch ein moderner Roman sein.
Hier ist (oberflächlich betrachtet) klassisch die Frau, beziehungsweise ihr Verhalten, Ursprung allen Übels (aus Sicht des Mannes), während ihr Mann der ruhige, intelligente Part ist, der langsam, den Umständen geschuldet, durchdreht. Es ist interessant weil man durchaus Sympathie für Vic hegt, obwohl er selbst, sich dieser Tatsache nicht bewusst, Schuld an seiner Misere mit Melinda trägt.
Beide beeinflussen und bekämpfen sich auf ihre jeweilige Art, was zu einer durch und durch ungesunden Dynamik führt.
Es ist gut geschrieben, ruhig und fließend und es verändert auch nicht seinen Ton als es zum äußersten kommt, was das ganze noch beeindruckender und verstörender macht.

                                  *
Vielleicht versteht mancher Leser unter einer Frühlingslektüre ein eher leichtes, eventuell lustiges Buch. Es gibt allerdings auch durchaus verregnete, kühlere Frühlingstage, wenn denn die äußeren Umstände die Leselaune beeinflussen, an denen man sich das Buch zur Hand nehmen kann.
Meine zweite Empfehlung ist ein krasser Gegensatz aber genau richtig für den Frühling, eine leichte, herzige Lektüre:)
                                *

Meine 2. Empfehlung: Etwas von den Wurzelkindern

Ein phantastisches Buch für Groß und Klein 
von der Kinderbuchautorin und Illustratorin Sybille von Olfers. Erschienen erstmals 1906.
Begleitet die Wurzelkinder mit Reimen durch das Jahr. 
Inhalt: »"Etwas von den Wurzelkindern“ von Sibylle von Olfers ist ein zeitloser Klassiker, der den Kreislauf der Natur poetisch darstellt. Mutter Erde weckt die Wurzelkinder aus ihrem Winterschlaf, damit sie ihre Kleider nähen und Käfer bemalen, bevor sie den Sommer über die Welt verschönern und im Herbst wieder zurückkehren.«
Das Buch ist so herzig und hat etwas Besonderes an sich, dass man immer mal wieder reinschauen möchte.

Viel Spaß beim Lesen!




Kommentare

  1. Hallöchen,
    Tolle und interessante Buchtipps finde ich bei dir.
    Etwas von den Wurzelkindern habe ich früher auch gelesen und sehr gemocht.

    Herzliche Wochenendgrüße
    Sheena

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    1. Hallo Sheena,
      Danke, es freut mich dass du etwas gefunden hast, was dich anspricht:)
      Ja, Wuzelkinder ist schon süß.

      Danke fürs Vorbeischauen:)

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  2. Hallo Silver,
    ich bin gerade am Hin- und Herüberlegen, woher ich P.Highsmith kenne. Ich glaube, ich habe mal einen Schreibratgeber von ihr gelesen.

    Deine beiden Empfehlungsbücher sagten mir, bis eben, auf jeden Fall noch nichts. Und beide Bücher sprechen mich an.

    Ich mag Geschichten, in denen auf psychologischer Ebene etwas passiert und bei denen man während des Lesens ins Nachdenken gerät. Leichte Liebesgeschichten, die nur so vor sich hinplätschern gehen in bestimmten Situationen zwar auch, sind aber nicht das, was ich bevorzuge. Beim Lesen deiner Worte dachte ich immer nur: Das arme Kind! Ich weiß bei diesem Buch allerdings nicht, ob ich mich zu sehr über die Protagonisten aufregen würde (schon alleine wegen des Kindes). Alles in allem, aber eine richtig gute Empfehlung von dir.

    Und Kinderbücher nehme ich gelegentlich auch gerne mal zur Hand. Mit deiner Empfehlung hier hast du mich so richtig gekriegt. Das Cover gefällt mir schon sehr, ebenso, wie der Klappentext. Und es passt auch perfekt in den Frühling.

    Ich danke dir vielmals für das Teilen dieser schönen Empfehlungen im Rahmen unserer Aktion <3

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      das freut mich aber dass dir meine Empfehlungen gefallen:)
      Ja, das arme Kind, das kann man wohl so sagen.
      Ah, ein Schreibratgeber klingt ja auch interessant, den muss ich mir mal anschauen.

      Es gibt so zeitlose Kinderbücher, die man sich auch als Erwachsene immer wieder anschauen kann, ich liebe ja auch Die Raupe Nimmersatt. Die Aufmachung und Farben, alles einfach, ich freue mich irgendwie immer wenn ich das sehe:)
      Genauso Winnie the Pooh, das hat auch einen speziellen Platz in meinem Herzen, allen voran Eeyore/I-Aah♡

      Ich wünsche dir einen schönen, frühlingshaften Sonntag!

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    2. Hallo Silver,
      ich hatte mal eine Phase, da habe ich einige Schreibratgeber angeschaut. Z.B. auch den Ratgeber von King. Fand ich sehr interessant, zumal man da auch einiges über ihn selbst erfährt.

      Ohja, es gibt so schöne Kinderbücher. Ich finde, sie haben ihren besonderen Charme. Manchmal sind es die schönen Illustrationen, die auf den ersten Blick überzeugen und in denen man immer wieder Neues erkennen kann. Oder die Botschaften, die doch nochmal eine völlig andere Richtung einschlagen, als im Jugend- oder Erwachsenenbuch. Ich mag es auch, wenn man beim Lesen merkt, dass auch noch Botschaften für ältere Leser darin verborgen sind. Die, die die Kinder vielleicht beim Vorlesen gar nicht merken. Und zugleich gibt es aber auch Botschaften für die Kinder (nochmal auf anderer Ebene) darin. Weißt du was ich meine?
      Und dann gibt es auch oft diese kleinen Spielereien. Wie z.B. ein Spielbrett am Ende, Rezepte zum Nachmachen, DIYs und vieles mehr. Da steckt oft so viel Liebe zum Detail drin.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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    3. Hallo Tanja, ja das stimmt schon was du über manche Kinderbücher sagst, diesen 'doppelten Boden', wenn auch eine Botschaft für Erwachsene drinsteckt. Es ist aber auch okay wenns nur süß anzuschauen ist.
      Ich muss mich echt mal um Schreibratgeber kümmern, vielleicht kann man ja was hilfreiches dabei lernen:)

      Liebe Grüße und eine schöne Woche!

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  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Ja, manchmal ist es dann besser, nicht zu tief zu graben, was die Autor/innen angeht, ich weiß jetzt zumindest, was ihr vorgeworfen wurde aber tiefere Einblicke habe ich auch nicht.

      Ja dann viel Spaß dabei, solltest du es irgendwann einmal lesen:)

      Eine schöne (Lese)Woche wünsche ich dir!

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    2. Ja, manchmal ist es dann besser, nicht zu tief zu graben, was die Autor/innen angeht, ich weiß jetzt zumindest, was ihr vorgeworfen wurde aber tiefere Einblicke habe ich auch nicht.

      Ja dann viel Spaß dabei, solltest du es irgendwann einmal lesen:)

      Eine schöne (Lese)Woche wünsche ich dir!

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    3. Oh verdammt, ich bin echt ein Genie..wollte MEINEN doppelten Kommentar löschen (keine Ahnung warum das manchmal passiert) und hab deinen gelöscht. Suuuperklasse:(

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    4. Kann passieren :)
      Früher wusste man nie was über die Autoren, also ich zumindest nicht, das hat mich eigentlich auch nie groß interessiert...
      Tut es auch heute eigentlich nicht wirklich. Ich hab keine Lust jedes Mal vorher erstmal den Namen zu googeln und zu schauen ob es über denjenigen etwas gibt, was ich wissen müsste. Meistens erfährt man es ja eh dann irgendwie im Netz, spätestens wenn man das Buch postet ^^

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    5. Das ist natürlich auch eine Herangehensweise und manchmal auch stressfreier. In manchen Bücherbubbles würde man dafür zwar gesteinigt werden aber das ist ein wirklich weites Thema, was fast schon einen eigenen Eintrag verdient.
      Ist ähnlich wie das Thema, ob man noch Songs von R.Kelky, P. Diddy oder Ye hören darf (wenn man die den überhaupt jemals gehört hat, was auf mich nicht zutrifft, außer bei Ye (Kanye West), da höre ich schon den einen oder anderen Song), da die höchst problematisch sind.
      Oder ob man noch Filme von Schauspielern oder Regisseuren schauen darf, wenn die ebenfalls hochgradig fragwürdig sind.
      Ich finde das ist zwar eine berechtigte Frage und verurteilte Leute zu canceln eine ebenso große Frage, aber ich finde abschließend keine eindeutige Antwort. Ich glaube es kommt drauf an, wofür die in der Kritik stehen oder ob man vielleicht deren Werke feiert und sie trotzdem feiert auch wenn die Person dahinter menschlich ziemlicher Rotz ist. (Wobei ich oft dann gar keine Lust mehr habe, von solchen Leuten irgendwas zu sehen oder hören).
      Wenn man Leute feiert ist es eben schwerer, deren Werke nicht mehr zu konsumieren als wenn man denen eh nie 'nah' war, da fällt es leichter, die komplett zu ignorieren eben weil man sie eh schon ignoriert hat.
      Allerdings ist die Enttäuschung auch recht groß wenn was auch immer für schlimme Sachen über jemanden herauskommen, daher stelle ich selten jemanden auf so ein Podest, weil das auch nur Menschen mit Abgründen sind und die Seiten haben, die wir gar nicht kennen können.

      Und zu Patricia Highsmith, die ist seit 30 Jahren tot, da jetzt noch zu graben, was sie eventuell für eine war oder nicht ist auch irgendwie hinfällig.
      Aber das zu wissen, von wem man da was liest finde ich dennoch schon wichtig.
      Liegt dann bei jedem selbst darüber zu entscheiden.

      Kann man echt ganze Abhandlungen drüber schreiben:)

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    6. Ich muss gestehen dass ich da manchmal einfach zu faul bin immer überall zu schauen oder nachzufragen - und zu "Seelenmüde" um ständig über solche Sachen zu diskutieren im Netz... ich lese ja auch weiterhin Bücher von Joanne K. Rowling und das ist sicher für viele ein no go. Aber ich finde ihre Geschichten einfach großartig und ich hab darin nie irgendetwas diskriminierendes gefunden...

      Wie du schon sagst: jeder hat seine positiven und negativen Seiten, dann dürfte man wahrscheinlich nur noch sehr wenige Bücher lesen wenn man die alle offenlegen würde ;)

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