Old Friends For Sale

Du hockst da, bzw hier, in meiner Wohnung, seit Stunden, zumindest fühlt es sich so an.
Du machst keine Anstalten zu gehen und okay, machs dir bequem aber doch nicht so bequem. Du ätzt über die Gefühle und den Schmerz einer anderen Person, hast keine Geduld und kein Verständnis aber wie es das Schicksal so will, bist du kurze Zeit später in genau der gleichen Situation.
Natürlich ist es bei dir was ganz anderes und du rufst an und klagst und weinst und ich höre zu und überlege, ob du deine Doppelstandards irgendwie bemerkst.
Nein, das tust du nicht.
Und wieder ätzt du darüber, wie eine Person sich verhält, zweifelst an ihrem Leid, ohne das du je in dieser Situation warst.
Ich überlege wieder ob du es checkst aber als du dann irgendwann selbst in dieser Situation bist, und es dir auch nicht gut geht, ist es natürlich selbstverständlich und klar und nein, du begreifst es immer noch nicht.
Und ich bin geduldig und warte, warte auf meine 5 Minuten aber die kommen nicht.
Ich bin langmütig, wir sind doch alle Menschen und nicht perfekt.
Aber es passiert wieder und nochmal und nochmal und meine Standards werden dabei hart getriggert, doch dabei bist du so verdammt selbstgerecht und null reflektiert. Du hockst wieder und wieder hier, stundenlang, und ich warte auf meine 5 Minuten, denn es geht immer um andere und dich und dich und deine Befindlichkeiten aber nie um mich.
Du magst gerne irgendwelche Fehler bei mir suchen und mir für alles mögliche die Schuld geben und dein Hobby ist, mir gemeine Dinge zu unterstellen, während du zeitgleich moralisch ziemlich fragwürdig bist, was doch echt verdammt witzig ist. Und ich warte auf die 5 Minuten, die du mir immer wieder verweigerst, denn, was hab ich schon zu sagen.
Und es passiert schon wieder, dir geht es nicht gut und das tut mir leid aber ich weiß genau, wovon du redest. Und ich denke, jetzt könnten wir eine gemeinsame Basis haben, ich möchte dir das erzählen, nicht, um dir etwas wegzunehmen, sondern um dir zu zeigen, dass ich verstehe aber du willst das nicht, denn es geht jetzt (jetzt?) um dich und für mich ist wieder kein Platz.
Aber ich warte, nur kommt nie die passende Zeit. Ich werde mehrfach versetzt ohne Alternative, Wochen vergehen, dann irgendwann muss ich absagen und dann bin ich diejenige, die immer absagt und ich kann das nicht mehr.
Und plötzlich sind mir sowohl deine Befindlichkeiten als auch die 5 Minuten egal. Es ist einfach egal.
Nein, perfekt sind wir nicht aber bullshit muss ich mir auch nicht geben oder jemanden, der mich eigentlich gar nicht mag oder schätzt.
Ich kann meine Zeit, Jahre (6?), nicht damit verschwenden, wirklich nicht. Nicht mehr. Das bittere ist, es war von Anfang an klar. Deine ersten Sätze haben es mir gezeigt, Menschen zeigen dir oft ganz klar wer sie sind und was sie eigentlich von dir halten aber ich dachte, lieber in schlechter Gesellschaft als keine Gesellschaft aber das würde ich heute genau andersherum sehen.
Und was genau wolltest du dann eigentlich mit mir?
Ich habe dir so viele Chancen gegeben aber das hast du nichtmal bemerkt.
Und ich habe dir nichtmal deinen dummen Kopf abgerissen als du etwas so offensichtlich respektloses und beschämendes getan hast und es verdient hättest.
Seltsamerweise war plötzlich ich die Böse in diesem Spiel, zumindest hast du es so dargestellt. 
5 Minuten sind nicht viel. Ich habe in 5 Minuten diesen Text geschrieben, doch es war nie Zeit, es war nie wichtig, mir diese 5 Minuten zu geben. 
Jetzt will ich sie nicht mehr. Ich will dich nicht mehr.
Und da ich auch nicht perfekt bin, ghoste ich dich komplett und schlafe so verdammt gut damit.-S.

Kommentare

  1. Oh man… das zu lesen ist schon emotional auszehrend… wie muss das sein, so etwas real zu erleben?

    LG Petros

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    1. Hey Petros,
      es zu erleben ist ebenso auszehrend. Doch es dauert zu lange um überhaupt zu begreifen,, dass das nicht normal ist, wenn man so etwas bereits kennt. Oder gewohnt ist. Dann hält man es viel länger aus/nimmt es länger hin. Wie gesagt, es war am Anfang bereits klar, der Gedanke irgendwo auch aber dennoch eine Chance gegeben.
      Und dann ist es irgendwie wie Treibsand.

      Liebe Grüße,
      Silver

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  2. Hey Silver,
    Oh Mannomann. Was für ein starker Text!
    Wie sagt man so schön? Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
    Es ist echt schön, dass du gemerkt hast, dass es besser ist, lieber keine Gesellschaft zu haben als die falsche. Alleine kann man auch so vieles erleben und seine Zeit verstreichen lassen. Aber ich kann gleichzeitig auch sehr gut nachvollziehen, dass man jemandem eine Chance geben will, auch wenn man beim ersten Eindruck ein ungutes Gefühl hatte...

    Liebe Grüße,
    Yara ❤️

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  3. Ich glaube „Treibsand“ trifft es gut.

    Gute Nacht
    Petros

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